 Na seavas, was ist war denn da los? Vorm Gasometer schlängelten sich die auf Einlass wartenden Fans bis zur U-Bahn zurück, beim inneren Eingang bildete sich eine Doppelspirale, bei der selbst erfahrene Securities staunten. Grund für den Andrang: Die kanadische Pop-Punk-Band Simple Plan war anwesend und fing mit ihrem Happy-Sound die Kinder ein wie weiland der Rattenfänger mit seiner Flöte. Ähnlich werden demnächst vermutlich nicht wenige aus dem Publikum diversen Maturareiseveranstaltern ins Netz gehen, aber das ist eine andere Geschichte.
Zwei Aufgaben galt es zunächst zu meistern: Zum einen sofort nach Saalöffnung einen Platz in der Ersten Reihe zu ergattern und dort kompromisslos auszuharren. Blöd, wenn man dann von den Securities herausgezogen (ich bin nicht zusammengeklappt, ehrlich, mir geht's schon wieder gut) und nicht mehr auf den alten Platz hineingestopft wird. Abmarsch nach hinten und wieder vorarbeiten - die ganze Mühe umsonst. Zum anderen war die Vorband We The Kings abzuwarten. Die spielten wie der Hauptact fröhlich poppenden Party-Rock und stimmten das Publikum trotz einhändigem Drummer (gebrochener Arm) bestens ein. Gegen Simple Plan kamen sie jedoch nicht an.
Wie beliebt die bei der jungen Zielgruppe sind, zeigte schon das tosende Kreischen bei Konzertbeginn. So sehen Helden von heute aus, so werde sie gefeiert. Die Rollen sind klar verteilt: Pierre Bouvier singt, Sébastien Lefebvre reißt die anzüglichen Witze, greift sich in die Hose und ist der zweite Frontmann, David Desrosiers und Jeff Stinco arbeiten brav an ihren Instrumenten und Schlagzeuger Chuck Comeau bleibt hinter seiner Budl. Dass die Band es ernst meint, lässt sich unter anderem am Bühnenlicht erkennen. Und Simple Plan kleckern in der Beziehung nicht. Vier helle Verfolger-Scheinwerfer haben die wie Flummis herum hüpfenden Musiker im Visier, der Schlagzeuger wird von zahlreichen Spots umstrahlt. Hier will jemand gesehen werden.
Dass das Ganze brutal auf Gefälligkeit getrimmt ist, kümmert niemanden. Das Cover-Medley Moves Like Jagger - Dynamite - Sexy And I Know It wäre beim Nebenherhören auch als Simple Plan Song durchgegangen. Die sind das musikalische Äquivalent zu einem Hamburger: schmeckt gut, gibt im Endeffekt aber doch nicht viel her. Dem Publikum war das komplett egal. Warum auch nicht? Simple Plan machen in ihrem Bereich alles richtig. Die Halle ist voll, das Publikum von der ersten bis zur letzten Reihe begeistert. Arme in die Höhe, Handy-Bildschirme schwenken, und Klassiker, die vom ganzen Saal textsicher mitgesungen werden, erzeugen sogar bei Skeptikern leichte Gänsehaut. Von der Show wird noch Wochen im Raucherhof der Schulen geschwärmt werden. Zur Zugabe durfte dann zudem Bouvier mit einer Soloeinlage zeigen, dass auch er Gitarre spielen kann, bevor die Show nach gut 90 Minuten beendet wurde. Keine Sekunde zu früh, denn draußen war den als Taxi herhaltenden Eltern schon kalt.
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