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Apocalyptica waren Headliner beim Carpe Noctem in Wiesen. Allein das ist schon Grund genug für uns, um ein Interview zu betteln. Ehrensache, dass wir auch einen Termin bekommen haben. Und so können wir euch hier präsentieren, was Eicca Toppinen uns alles über Sänger, Rammstein und Headbangen zu erzählen hatte. Der kam nämlich gutgelaunt zum Interview und stellte sich als fröhlicher und kommunikativer Gesprächspartner heraus. |
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D.f.A.: Hast du schon irgendwelche Bands gesehen? |
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Eicca Toppinen: Nein, noch nicht. |
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Bist du an einer interessiert? |
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The 69 Eyes (lacht). Und vielleicht Lacrimosa. Ich kenne viele Bands von früheren Festivals. Von Lacrimosa habe ich bis jetzt aber nicht so viel gehört, nur ein paar Lieder. |
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Apocalyptica hat immer wieder Gastsänger wie etwa Martha von Die Happy oder Ville Valo / Lauri Yloenen. Habt ihr jemals darüber nachgedacht, einen fixen Sänger zu engagieren? |
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Nicht wirklich. Bis jetzt gab es keine Probleme wegen Songs ohne Vocals, es besteht also auch keine Notwendigkeit. Es würde auch keinen großen Sinn machen, einen Sänger im traditionellen Sinn zu haben. Wenn wir jemals einen Sänger aufnehmen würden, dann müsste es etwas besonderes sein und nicht nur ein normaler Rocksänger. Wir haben aber auch noch nicht wirklich darüber nachgedacht. |
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Habt ihr nie darüber nachgedacht, selbst zu singen? |
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Doch, aber niemand würde es gerne hören (lacht). |
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Hat niemand von euch eine gute Stimme? Habt ihr es nie versucht? |
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Um ehrlich zu sein, ich habe es nie versucht. Die Hauptsache dabei ist, dass du dich selbst als Sänger fühlen musst. Es ist egal wie gut du bist, wenn du dich selbst dabei gut fühlst, wie du deine Stimme benutzt. Die meisten Rocksänger sind keine guten Sänger, wenn man es von der technischen Seite aus betrachtet, aber die meisten haben einen persönlichen Stil und das macht sie zu guten Sängern. Deshalb wenn du dich als Sänger fühlst, dann kannst du auch singen. Ich fühle mich als Cellist und Komponist. Aber auf der anderen Seite habe ich mich vor acht Jahren noch nicht als Komponist gesehen. Du weißt also nie, wohin dich dein Leben führen wird. |
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Welchen Sänger würdest du für Apocalyptica wählen? |
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Da gibt es viele gute. James Hetfield wäre großartig (lacht). Oder Marilyn Manson. Oder Trent Reznor wäre cool. |
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Keine Frauen? |
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Oh doch! Shirley Manson von Garbage wäre großartig. Die hat eine tolle Stimme. Björk ist auch interessant. |
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Und wie wäre es mit etwas komplett abartigen? Wie zum Beispiel Britney Spears? |
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Dann eher Christina Aguilera. Die hat eine tolle Stimme. Es wäre interessant mit einem Sänger zu arbeiten, der nicht aus dem Rock- oder Metalbereich kommt. Nicht unbedingt von der Klassik, aber vielleicht vom Pop. Wir würden denen dann eine komplett andere Plattform als ihre übliche Arbeitsumgebung bieten. |
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Wie funktioniert das Arbeiten an euren Stücken? Ich denke, dass eure Instrumentalnummern oft besser klingen als eure Stücke mit Sänger. Konzentriert ihr euch da mehr auf die Sänger? |
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Nein. Aber es ist einfacher, wenn man rein instrumental spielt. Man muss mit anderen Leuten keine Kompromisse eingehen. Auf der anderen Seite ist es sehr lehrreich, wenn man mit anderen Leuten Kompromisse eingehen muss. Viele Leute geben ihre Meinung ab und man kann sich was abschauen. Wenn man Instrumentalnummern aufnimmt, dann kannst du es so klingen lassen, wie du es selbst willst. Das heißt, sie klingen solider und kompakter als die Stücke mit Vocals. |
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Habt ihr jemals gedacht, dass ihr mit eurer Musik derartig Erfolg haben werdet? |
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Niemals! Als wir das erste Album veröffentlichten dachten wir, wir würden 1000 Stück davon verkaufen. Tatsächlich hat es sich dann 900000 mal verkauft. Und alle Alben zusammen zirka zwei Millionen mal. Es sind also ein bisschen mehr als 1000 Stück geworden (lacht). Ihr müsst bedenken, wir gründeten die Band nicht, sondern wir spielten nur zum Spaß zusammen. Wir hatten keinen Plan für ein Album. Wir spielten schon drei Jahre zusammen, bevor ein Typ uns in einem Club hörte und uns fragte, ob wir nicht ein Album aufnehmen wollen. Wir dachten, der verarscht uns. Aber wir sagten: OK, versuchen wir es. Jetzt haben wir fünf Alben und 600 – 700 Konzerte hinter uns. Es hat sich also ein bisschen anders als erwartet entwickelt. Wir begannen nur zum Spaß, jetzt ist es seit zehn Jahren unser Hauptjob. |
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Wie sehen eurer Zukunftspläne aus? |
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Wir planen eine Tour in der Zeit um Weihnachten. Wir haben also noch einen Haufen Shows vor uns. Wir spielen die Festivalsaison in Europa und im September gehen wir nach Nordamerika. Danach sind wir zwei Wochen in Südamerika. Wir haben aber keine Pläne für ein neues Album bis jetzt. Wir haben kaum Zeit dafür. Im Frühling 2006 müssen wir wahrscheinlich wieder nach Amerika, danach folgt wieder die Festivalsaison. Mit einem neuen Album ist also frühestens Ende 2006 zu rechnen. Wir arbeiten schwer. Es läuft immer so ab: Studio, Promotion, Touring, kurze Pause, Studio Promotion, Touring usw. Wir haben also seit zehn Jahren konstant an der Band gearbeitet. Deshalb denken wir, dass es nach dieser Tour Zeit für eine längere Pause ist, um an neuen Ideen zu arbeiten. Ich finde es nämlich sehr schwer, auf Tour an neuem Material zu arbeiten, wenn ich auf der Bühne ständig das alte spielen muss. |
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Würdet ihr auch einen Popsong verapocalypticern? |
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Das wäre schon möglich. Andererseits haben schon so viele Bands zum Beispiel ABBA oder was auch immer gecovert… Aber du weißt nie… |
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Sobald eine Band erfolgreich ist, gibt es recht bald andere Bands, die mit den selben Mitteln an dem Erfolg teilhaben wollen. Warum ist das bei Apocalyptica noch nicht der Fall? |
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Da gibt es schon einen Haufen Bands wie uns. Aber Apocalyptica ist auf eine Art einmalig, denn ich glaube nicht, dass andere Bands denselben Level wie wir erreichen können. Wir haben schon bevor wir mit Apocalyptica anfingen Cello studiert, sind also den anderen zehn Jahre voraus. Es gibt viele Bands, die unsere Metallica-Covers und unser eigenes Material nachspielen. Ich weiß von einem Typen in Amerika, der Magadeath nachspielt. |
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Aber warum sind sie nicht so erfolgreich? |
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Sie sind nicht gut genug (lacht). Es ist einfach nicht so leicht. Unsere Musik war zu Beginn nicht erfolgreich, weil sie so gut, sondern weil sie so außergewöhnlich war. Ich denke, heute ist die Basis von Apocalyptica die Musik und das Agieren auf der Bühne. In den Anfangstagen war es vor allem das Neue an uns. Wenn jetzt eine junge Band das gleiche versucht wie wir damals, dann sagt man: Das ist nichts neues, das kennen wir schon. Wir hatten das Glück, dass wir die ersten waren. Ein anderes Problem ist vielleicht, dass große Plattenfirmen kein Interesse an Bands haben, die vielleicht nur 50000 CDs verkaufen. Sogar wir sind schon an der Grenze mit unseren 200000 Stück. Deshalb ist es für junge Bands auch schwerer. |
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Wie waren die Shows mit Rammstein? |
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Sehr gut! Wir spielten vor zwei Wochen vier Tage hintereinander in der Berliner Wuhlheide, 80000 Leute im Publikum jeden Abend. Ich war niemals so glücklich, denn die Leute liebten uns. Man sagte uns, dass das Berliner Rammstein-Publikum das schwierigste für Supportbands sei, denn früher hatten Rammstein Glenn Danzig oder Nina Hagen, und die wurden fast von der Bühne geschossen. Aber bei uns waren sie einfach glücklich, dass wir da waren. |
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Eine Frage haben ich zu eurem Bühnenauftritt: Immer wenn man irgendwo Cellisten bei der Arbeit beobachtet, sind diese hochkonzentriert. Ihr aber lauft über die Bühne, bangt head (sagt man das so in Deutsch?) und macht auch sonst anstrengende Dinge. Machen uns alle anderen Cellisten also nur glauben, dass Cellospielen schwer ist, oder seid ihr einfach so verdammt gut? |
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Wir sind natürlich so verdammt gut (lacht laut). Mittlerweile haben wir aber auch schon viel Training darin, das ganze Zeug zu machen. Anfangs saßen wir auch nur herum, jetzt haben wir aber schon ein paar Tricks heraußen. |
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Zum Abschluss müsst ihr mir noch verraten, wie ihr es schafft, dass sich eure Haare beim Headbangen nicht in den Saiten und im Bogen verheddern. |
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Das ist eigentlich gar kein so großes Problem. Manchmal verheddern sich die Haare am Griffbrett, was die Saiten sehr rutschig und schwer zu spielen macht. Das passiert aber nicht oft. Mit dem Bogen gibt es auch keine Probleme. Blöd ist es nur, wenn sich die Haare in den Wirbel verfangen. Das kann wehtun. Aber normalerweise reißt man nur einmal kurz an und ist schon wieder frei. |
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