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Interview mit Jay Reatard
Eine Band nach dem Namen bzw. Künstlernamen ihres Sängers zu benennen, kann vor allem hinsichtlich ihres Konzepts leicht zu Missverständnissen führen. Jimmy Lee Lindsey, wahrscheinlich besser bekannt als Jay Reatard, war Mitglied zahlreicher Bands wie beispielsweise The Reatards, The Lost Sounds, The Final Solutions oder Angry Angles und geht nun erfolgreich seinen ganz eigenen Weg.

Anstatt sich in den Mittelpunkt zu stellen, lässt Jay Reatard verschiedenste Horrorfilmcharaktere seine Songs schreiben. Die einzig angemessene Definition des musikalischen Resultats wäre wohl “Jack Torrance-esque Punk”, denn sein letztes Album “Watch Me Fall” basiert auf den Protagonisten aus Stephen King’s “Shining”. Am 6. November 2009 spielte der junge Musiker, der in Memphis, Tennessee aufwuchs, in Wiens B72 die vermutlich lauteste Show, die je in diesem Club stattfand.

Mit Elena Tarasz sprach er über Horrorfilm-Soundtracks, die eigenen Vier Wände und weibliche Popmusik.
Du hast eine Menge Nebenprojekte am Laufen wie z.B. The Final Solutions oder Shattered Records. Denkst du, dass die Beteiligung an verschiedenen Musikprojekten und das Arbeiten mit unterschiedlichen Musikern deine persönliche musikalische Arbeit fördert?
Jay: Zu einem gewissen Zeitpunkt war es so, an einem anderen Zeitpunkt war dies dann aber nicht mehr der Fall. Ich hab in einer Menge Bands gespielt und versucht all die musikalischen Elemente zu finden, die ich immer mochte und so genossen hatte. Es schien immer, als würde dazu eine einzige Band nicht ausreichen – ich konnte einfach nicht alles so erforschen wie ich es wollte. Ich hab irgendwie alles aufgeteilt, quasi wie „diese Band muss diesen Sound haben und die andere Band jenen Sound“. Eines Tages wachte ich auf und bemerkte, dass ich so viel Zeit damit verbracht hatte, all die unterschiedlichen Songs für die verschiedenen Bands zu schreiben. Ich dachte mir dann, ich sollte mich besser auf eine Band konzentrieren und die Elemente aller Gruppen in denen ich je gespielt habe, kombinieren, und deswegen mache ich nun dieses Solo-Ding. Es soll also eine Kollektion darstellen von dem ganzen Zeug, das ich bisher gemacht habe, ohne jegliche Regeln.

In all den Bands, in denen ich bisher gespielt habe, gab es immer diese Regeln wie “dies ist eine Punkband und jene Band muss immer Keyboardsounds in ihren Songs haben”. Dieses Solo-Ding ist keine richtige Band, darum ist da auch kein Druck. Ich finde, man hat mehr Freiheit, wenn man einfach seinen eigenen Namen auf etwas drückt, anstatt den einer Band. Einen Bandnamen zu benutzen ist irgendwie wie etwas abzustempeln. Die Leute haben dann gewisse Erwartungen, wie als würden sie eine Flasche Coca Cola öffnen. Die muss jedes Mal gleich schmecken. Mit diesem Solo-Ding hab ich ne Menge Singles veröffentlicht, die unterschiedlicher nicht sein könnten, und die Leute tendieren nicht mehr dazu, eine bestimmte Kontinuität zu erwarten. Und genau das möchte ich erreichen – etwas, was nicht kontinuierlich weiterläuft. Das soll nun nichts Experimentelles sein, oder so…aber die Leute sind einfach im Ungewissen, was neue Veröffentlichungen betrifft.
Du wurdest in den Vereinigten Staaten geboren und hast nun die Chance, durch ganz Europa zu touren. Kürzlich warst du in Ländern wie Deutschland, oder Polen. Hast du eigentlich ein europäisches Lieblingsland?
Jay: Das ist schwer zu sagen. Jedes Land hat das gewisse Etwas. Das, was ich an einem Platz besonders gern mag, ist Balance aus den Dingen, die ich nicht mag. Ich will jetzt nicht negativ klingen, aber so sieht das Leben nun einmal aus. Da gibt es immer eine gewisse Balance. An jeder Stadt die sicher ist, sieht man nur das Langweilige, und an jeder, die gefährlich ist, sieht man nur den Spaß. Oder jedes Land, das das teuerste Essen anbietet, hat letztendlich das schlechteste und jedes Land, in dem das Essen billig ist, bietet das beste Essen an. Das ist immer ein auf und ab. Ich mochte mal die Niederlanden sehr gern bis ich entschied, dass es dort eigentlich total öde war [lacht]. Ich mag Skandinavien, vor allem Schweden. Das gibt’s ne gute Balance, wie ich finde…
Aber Schweden ist ziemlich teuer…
Jay: Ja, da hast du Recht [lacht]. Aber ich mag Stockholm, es ist eine meiner liebsten Städte weltweit. Allerdings, wenn ich eine Stadt auswählen müsste, dann wäre das Barcelona. Das Essen dort ist fantastisch. In Spanien legen die Leute so viel mehr Bedeutung ins Essen, als sonst irgendwo auf der Welt. Außerdem gibt es dort wunderschöne Strände und ne atemberaubende Architektur. Es gibt so viel mit dem du dich beschäftigen kannst.
Was glaubst du, gibt es einen allgemeinen Unterschied zwischen der europäischen und amerikanischen Musikszene?
Jay: Hier haben die Leute Angst vor lauter Musik [lacht]. Überall wo ich hingehe, scheint es, als würden die Leute Angst vor Lautstärke haben. Aber das Publikum hier hält auch irgendwie länger zu einer Band, sie jagen nicht ständig nach dem nächsten großen Ding. Wenn sie etwas mögen, dann tun sie dies für ne ziemlich lange Zeit. In Amerika lieben die Leute eine Woche diese Band und in der nächsten dann eine andere. Aber ja ... in Großbritannien ist das sogar noch schlimmer. Um ehrlich zu sein verstehe ich das europäische Publikum nicht. Während der Gigs scheinen die Leute sich echt zu langweilen und bewegen sich nicht, aber nach den Gigs kommen sie dann zu mir und sagen, es wäre das beste Konzert für sie gewesen und so.
Dein Garage-Punk angelehnter Sound zieht sich durch deine gesamten musikalischen Projekte. Ich nehme an, dass das auch die Art von Musik ist, die du privat hörst. Gibt es ein Musikgenre, welches deiner Meinung nach aussterben sollte?
Jay: Positiver Hip Hop. Ich meine ich liebe Rap Musik, aber da sollte es um Spaß und Gefahr gehen und um Dinge, die man nicht tun sollte. Ich mag aber auch diese ganzen Indiebands nicht, die wie die The Beach Boys klingen wollen. Davon gibt’s zurzeit ne Menge, es scheint als wäre es grad total angesagt über Sonnenschein zu singen. Ich bin aber nun kein negativer Narr. Ich höre echt alles Mögliche. Eigentlich gibt es gar nichts, was ich gern aussterben sehen wollen würde. Und eigentlich höre ich gar keinen Punkrock. Momentan höre ich ne Menge Rap Musik und Country aus den 70ern.
Magst du weibliche „Popmusik”?
Jay: Nein, aber ich war kurze Zeit ziemlich verrückt nach Kylie Minogue …für ne Sekunde, oder so [lacht].
Es gibt eine Menge Promofotos von dir, wo ziemlich viel Blut zu sehen ist. Was bezweckst du mit diesen Bildern?
Jay: [lacht] Eigentlich find ich das gar nicht mehr so toll. Da hatte ich damals echt wirklich nicht nachgedacht. Es ist einfach so passiert. Dieses eine Gräuelcover passte einfach zum damaligen Album (bezieht sich auf “Blood Visions”). Von da an ging es nur noch um Blut, egal ob auf Fotos oder im Artwork, wofür ich eben Künstler engagiere, die ich mag [lacht]. Ich versuche davon wegzukommen, weil ich der Meinung bin, dass das Ganze einfach nicht mehr passt. Früher ging es musikalisch wie auch konzeptuell um Gewalt und sozusagen die schlechte Seite der Menschlichkeit, aber das ist jetzt nicht mehr der Fall. Ich verstehe dieses ganze Blutzeug nicht mehr. Ich meine, klar ich tendiere dazu, mich sehr oft zu verletzen, aber das ja wohl nicht mit Absicht. Die nächste Episode wird dann vermutlich Prellungen zum Thema haben, wer weiß [lacht]. Ich hab so oft Veilchen…eines ist gerade am heilen…endlich!
Wo hast du das denn her?
Jay: Berlin! Das war so ein Typ aus einer Band namens The Briefs [lacht]. Das ist ne ziemlich beschissene Punkband. Ich glaube, der mochte meine Witze nicht und es war 7 Uhr in der Früh. Aber ich mag Berlin, dort ist es irgendwie trashig [lacht].
Wo wir von Blut und Wunden sprechen: Die Art und Weise, wie du deiner Musik Ausdruck verleihst, vor allem in deinen Videoclis, erinnert mich sehr an Horrorfilme. Nutzt du die zur Inspiration?
Jay: Ja in der Tat, das tue ich! Das Konzept der neusten Platte basiert auf Jack Nicholson’s Charakter in The Shining. Ich war in einem Hotelzimmer und hatte ne Menge LSD genommen und schaute mir diesen Film an. Mir kam es vor, als würde er zehn Stunden dauern und ich war echt verrückt nach diesem Film und das sogar noch Wochen danach. Ich hatte ihn zwar schon zuvor gesehen, aber diesmal konnte ich mich wirklich den Filmcharakter einfühlen. Ich liebe Horrorfilme. Ich mag diesen billigen Schockfaktor. Das geht auch mit Musik. Ich werde jetzt aber nicht anfangen Psychobillysongs über Horrorfilme zu schreiben, oder so. Aber konzeptuell entnehme ich ne ganze Menge aus solchen Streifen. Früher habe ich Songs über mich selbst geschrieben, aber heute sehe ich Filme und tauche in die Charaktere ein und versuche Songs aus ihrer Sicht zu schreiben.
Gibt es einen speziellen Horrorfilm, dessen Soundtrack du gerne geschrieben hättest?
Jay: Das ist schwer zu sagen. All die Filme, die ich mag, haben schon einen ziemlich perfekten Soundtrack. Ich glaube auch nicht, dass ich sonderlich gut darin wäre. Vielleicht würde es für Filme von den Wayans Brüdern reichen. [lacht]. Ich wurde kürzlich gefragt, ob ich einen Soundtrack für einen Comedystreifen machen würde, aber ich glaube nicht, dass ich Zeit dafür habe.
In deinem Videoclip “It ain’t gonna save me” mischst du die Geburtstagsparty einer Familie auf, die meiner Ansicht nach für den Amerikanischen Traum steht. Was hältst du persönlich vom Amerikanischen Traum? Hast und ihn je erlebt?
Jay: Das Kind, für das die Party ist, soll mein Spiegelbild sein. Der Junge ist ziemlich unglücklich und ich glaube, er soll mich darstellen. Ich selbst spiele diesen Zauberertypen, mit dessen Hilfe der Junge seine eigene Geburtstagsparty ruiniert. Hinsichtlich des Amerikanischen Traums, ja ich finde, dass der wirklich existiert, aber nur für die glücklichen Leute, also die, die extrem viel Glück im Leben haben. Ich meine es kommt immer darauf an, von was du träumst. Ich ging damals nicht zur Schule, wurde rausgeschmissen als ich Acht war, und nun besitze ich mein eigenes Haus, besitze Klamotten und Platten und all das Zeug, womit ich nie im Leben gerechnet hatte, weil mir immer gesagt wurde, dass ich es ohne Bildung zu nichts bringen werde. Ich glaube es liegt immer daran, wie sehr du überleben möchtest. Ich meine, ich habe alles erreicht was ich wollte. Ich habe ein Haus und bin nicht einmal 30 Jahre alt und muss keine Miete mehr zahlen. Das hab ich alles erreicht. Und ich habe immer davon geträumt, ja. Ich sehe die Welt und es ist mir möglich, wieder nach Hause zu kommen und das ist für mich alles was zählt. Also ja, der Amerikanische Traum existiert [lacht].
Freust du dich auf zu Hause?
Jay: Nicht wirklich. Aber das war nicht immer so. Echt, früher wollte ich ständig zurück nach Hause, weil ich so unglaublich viel Miete zahlen musste und das hatte ich immer im Hinterkopf. Ich musste Miete für eine Wohnung zahlen, in der ich so gut wie nie lebte. Und nun habe ich mein eigenes Heim und ich weiß, dass es immer da sein wird, außer es brennt nieder. Und es wird mich nichts mehr kosten. Damit bin ich nun richtig frei und muss mir um solche Geldsachen keine Gedanken mehr machen. Nach dieser Tour werde ich für drei Tage zu Hause sein und dann einen Monat lang weiter touren und dann für eine Weile nach Puerto Rico gehen und irgendwann wieder mal zu Hause vorbeischauen [lacht]. Ich wollte immer nach Hause und irgendwie gezähmt sein und Beziehungen haben und habe ständig versucht, ein normales Leben zu führen, aber diese Vorstellung habe ich nun aufgegeben. Ich habe angefangen zu verstehen, dass mein Leben einfach nicht normal ist.
Das Interview führte Elena Tarasz.
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