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Interview mit Black Lips
“The Black Lips have a reputation for crazy live shows that have included vomiting (Cole's medical condition), urination, nudity, band members kissing, eletric mini-car races, fireworks, a chicken, and flaming guitars,” sagt der zuständige Artikel aus Wikipedia. Am 19.8. konnte sich das Wiener Publikum in der Arena davon überzeugen, als die Band zusammen mit Glint, Deerhunter und Crystal Antlers das Line Up der Veni Vidi Vice-Nacht bildete. Elena Tarasz hatte drei der vier Wahnsinnigen vor dem Mikrofon, wo sie über sadistische Security, Münchner Gitarren-Fladeranten und Rock’n’Roll-bedingte Verletzungen erzählten.
The Black Lips – üblicher Weise mit abgefreakten Shows, rauem Rock’n’Roll und als Schützlinge von VICE in Verbindung gebracht - haben tatsächlich schon ein knappes Jahrzehnt auf dem Buckel. Das kann man in der schnelllebigen Musikbranche gern als Erfolg bezeichnen, und dieser geht vermutlich auf die folgenden drei Tipps für zukünftige Rock’n’Roll Bands zurück, welche die Mitglieder Cole Alexander, Jared Swilley und Ian St. Pé vor ihrem Konzert in der Wiener Arena preisgaben
1. „Versuch dein Bestes, um für Bands zu eröffnen, die du magst. Dann kannst du eine Verbindung zu ihnen herstellen und sie können dir vielleicht helfen.” (Cole)

2. „Spiel so viele Shows wie und wo immer du kannst.” (Jared)

3. „Sei bereit alles aufzugeben. Und wenn du’s nicht wirklich willst, dann gibt‘s jemanden, der es mehr will als du und dieser jemand sind WIR!” (Ian)
Es scheint als hält sich die Band bis heute stets an diese Worte. Die Jungs touren Jahr für Jahr ihre Ärsche wund – öffnen ihre Augen täglich in einer anderen Stadt. Gesegnet mit einer ganz besonders großen Portion Experimentierfreude, fanden sich die vier wilden, jungen Musiker auf ihrem Weg zum wahren Rock’n’Roll Dasein schon des Öfteren in Grenzsituationen wieder.
„In Austin, Texas musste ich vor einigen Jahren ins Krankenhaus, weil ich auf der Bühne meinen Kopf extrem stark verletzt hatte. Wir waren mit ein paar Mädchen auf Tour und die brachten mich ins Krankenhaus. Die waren echt wütend und haben mich die ganze Zeit angeschrien, “ erinnert sich Jared.

„Das sind 13 Stiche, “ Ian zeigt auf die Rückseite seiner Hand. „Ich hab mich früher mit Bierflaschen geritzt, weil ich dachte das wär cool. Als das hier passierte, war ich auf Absinth. Ich dachte die ganze Zeit ich würde mich nur ritzen, aber ich hab mir das Teil eingestochen.“

„Ja, und ich hab ihn von der Bühne geholt. Und auf dem Weg zum Krankenhaus meinte ich ständig „Mach dir keine Sorgen. Dir wird’s wieder gut gehen und die Ärztin wird total scharf sein.“ Tja, es stellte sich heraus, dass sie wirklich scharf war, “ Jared fängt an zu lachen.

„Nimm ne schlechte Situation und mach etwas Gutes daraus, “ predigt Cole.
Vermutlich ist es genau diese Einstellung, die die Band bisher davor bewahrt hat, nicht schon längst das Handtuch geworfen zu haben. Schließlich müssen sie sich fast täglich mit der wahrscheinlich schlimmsten Sorte Mensch herumschlagen:
„Securities. Das können richtige Arschlöcher sein, “ sagt Ian mit imitierten französischen Akzent. „Sie versuchen unsere Partys kaputt zu machen, aber irgendwie machen die sie auch lustiger!“

Jared nickt: „Ja, manchmal, wenn sie zu viel Macht ausüben, dann geht die Revolte erst so richtig los und alles wird extrem chaotisch und letztendlich macht das noch viel mehr Spaß. Aber manchmal wird’s richtig beschissen. Ich mein, die haben mich in London richtig zusammengeschlagen. Die Türsteher und Securities haben meinen Kopf zum Türöffnen benutzt. Die haben mich richtig fertig gemacht. Und vor ein paar Tagen in New York, da haben wir auf ‘nem Festival gespielt und die Kids kamen auf die Bühne und die Securities schlugen auf die 15-jährigen ein, packten sie am Hals und schlugen ihnen ins Gesicht. So ein Typ packte mich und fing an mich von der Bühne zu schmeißen. Ich rief die ganze Zeit „Ich bin in der Band“, aber die glaubten mir nicht, weil ich meine Gitarre fallen gelassen hatte. Die haben immer weiter versucht mich da runter zu schmeißen, bis sie jemand abhielt. Aber ja, in der Regel sind das echte Arschlöcher und haben meist ein ziemlich armes Leben. Darum nutzen sie ihre Machtposition aus um andere Leute fertig zu machen. Und manche von ihnen haben echt Spaß dran, weil sie Sadisten sind und es richtig genießen, jede Nacht da rauszugehen und Kinder zu verprügeln, die halb so alt sind wie sie.”
Das bringt die Frage auf, ob es denn noch andere Arten von Opfer gibt, auf die sich angehende Musiker gefasst machen sollten.
„Wenn du so viel tourst wie wir, dann musst du ne Menge normaler Dinge aufgeben, wie ein Schlafzimmer und manchmal auch Beziehungen. Aber jeder Job fordert letztendlich seine Opfer. Ich hab manchmal meine Gesundheit aufs Spiel gesetzt, glaub ich,“ so Jared.

„Wir können keine Beziehungen haben und auch keine Gesundheit. Und eine Krankenversicherung haben wir auch nicht, was dem Ganzen noch einen drauf setzt, “ Ian fängt an zu lachen. „Aber eigentlich macht uns die Tourerei auch stärker, denn niemand von uns ist in den letzten Jahren krank geworden. Ich glaub das kommt davon, dass wir die ganze Zeit den Bakterien der ganzen Welt ausgesetzt sind. Davon ist unser Immunsystem sicher richtig stark geworden.“
Und wieder: So geht das, wenn man etwas Schlechtes nimmt und etwas Gutes daraus macht. Ganz klar, die Band steckt voller Lebensfreude, Ambition und Herzwärme. Darüber hinaus stellen sie ihre außergewöhnliche Vorstellungskraft unter Beweis, als sie beschreiben, wie denn eine biografische Verfilmung über die Band aussehen würde.
„Ich möchte den Film so unrealistisch wie möglich haben. Einfach ne lange Party, wo niemand einschläft oder ‘nen Kater bekommt…Er würde wohl von einem fiktionalen Treffen zwischen uns und Richard Branson (berühmter Produzent, Anm.) handeln und wie wir ein Weltraum-Touristen Unternehmen gründen. Wir wären die erste Band, die im All spielt und würden andere Leute dorthin mitnehmen. Und am Ende gäbe es eine epische Schlacht, “ sagt Jared.

„Und wenn ich jemanden wählen müsste, der mich in dem Film spielt, dann wär das wahrscheinlich... Ewan McGregor,“ Cole fängt an zu lachen. „Nein, ich will, dass Paul Newman das macht, aber der ist tot. Also nehme ich Denzel Washington, er hat schließlich einen Oscar gewonnen. Und Jerry Seinfeld wäre Ian!“

Coles Wahl fällt auf George Costanza von Seinfeld, denn der „[…] kriegt immer ne Tonne heißer Bräute ab!“
Einstimmig wird entschieden, dass Black Lips Drummer Joe Bradley von Dom DeLuise,
„[…] dem fetten Chefkoch-Typ,“
gespielt werden sollte. Und wieder bricht die Band in Lachen aus. Es ist offensichtlich, dass ihre Frohnatur absolut gegensätzlich zum „Black“ in ihrem Namen ist.
„BLACK ist leider ein Wort in unserem Bandnamen. Als wir mit der Musik anfingen hatten wir nicht bemerkt wie viele andere Bands BLACK in ihren Namen hatten, “ sagt Jared und bezieht sich dabei auf Gruppen wie The Black Keys.
Erleichterung folgt sogleich, als die Realität die Schweigesekunden einholt: Denn eigentlich ist BLACK längst schon passé. Die Bandnamen-Must-Haves der Saison sind nämlich CRYSTAL, DEER, GIRLS oder BOYS.
„Und heut Abend bekommst du ein BLACK, ein DEER und ein CRYSTAL, “ scherzt Ian und bezieht sich damit auf die Liveacts des Abends, nämlich den Black Lips + Crystal Antlers + Deerhunter.
Obwohl ihre eingeschlagenen Musikstile unterschiedlicher nicht sein könnten, ist dies nicht das erste Mal, dass diese Musiker ein Konzert zusammen spielen. Sie wurden Freunde über die letzen Tourjahre und ihre Wege kreuzen sich ständig. Apropos, gibt es denn irgendwelche speziellen Dinge, die Cole, Jared und Ian auf Tour immer dabei haben?
„Generell packen wir eher leicht, weil wir das Zeug immer mit uns umher schleppen müssen. Ich verliere auch so viele Sachen auf Tour, wie meinen Reisepass, Computer, Socken … Ich hab diesmal in München fast meine Gitarre verloren,“ so Jared.
De facto hat sich München diesmal als wahre Schlangengrube entpuppt, so wurde doch beinahe Ians Gitarre gestohlen.
„Der Typ sagte uns, er könne sich keine Gitarre leisten. Und wir: „Du stiehlst von uns? Man, wir arbeiten hart dafür!“ Ich hab dem Typen eine verpasst, der Motherfucker. Und das ging: Waaaahh, “ Ian schlägt in die Luft.
Glücklicherweise gibt es auch immer wieder Lichtstrahlen, entsandt um das Tourleben der Black Lips zu erhellen: Girlbands zum Beispiel. So haben die Jungs gerade mit Gruppen wie Mika Miko, Vivian Girls und The Coathangers getourt. Würde das denn funktionieren, ein Mädchen bei den Black Lips?
„Äh, nein. Für uns könnte ich mir das nicht vorstellen. Aber manchmal ist es nett ein Mädchen mit im Van zu haben. Das bringt das ganze Testosteron wieder ins Gleichgewicht, “ erklärt Jared und betont anschließend, wie sehr er die Girlbands der 60er liebe, wie die “Leader of the Pack”- Shangri-Las und The Marvelettes. „Das waren echt tolle Mädels und das ist zeitlose Musik“, Jared strahlt über das ganze Gesicht.
Interview: Elena Tarasz
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