 Eine alte Pfaderer-Weißheit behauptet: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung. Ich geh mit und erhöhe: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur das falsche Festivalgelände. So gesehen ist Wiesen der Royal Flush unter den Locations, denn selbst der ständige Regen konnte dem überdachten und befestigten Gelände nichts anhaben. Ok, die Liegewiese war hinüber, aber sonst gab es keine Verluste zu beklagen, das Two Days A Week 2012 kann also als gelungen bezeichnet werden.
Das war im Vorfeld nicht so ganz gewiss, schwächelte doch vor allem der zweite Tag ein bisschen. Die Angst war aber unbegründet. Schon Knorkator lieferten eine grandiose Blödelshow, zerlegten wie gewohnt ihre Keyboards, scherzten mit dem Publikum und holten Fotografen auf die Bühne. Gut, dass Deutschlands meiste Band der Welt, die 2008 eine längere Pause einlegte, wieder unterwegs ist, den Sieg in der Kategorie „Spaß“ haben sich Stumpen, Alf Ator und Buzz Dee verdient.
Der Sieg in der Kategorie „Unsympathischste Band des Festivals“ geht wie schon 2010 mit Leichtigkeit an Jennifer Rostock. Mit weit jenseits von Gut und Böse angesiedeltem Gequatsche (Ihr seid meine Schamlippen), versuchte Verbalerotikerin Jennifer Weist ihre Vorstellung von Stimmung zu transportieren. Liebe Mädchen, hört zu: Es gibt ein Wort für Frauen, die gegen Bezahlung (und ja, ein Cola-Whiskey ist zwar billig, gilt aber auch als solche) ihre Titten zeigen. Und interessant wäre die Reaktion von Jennifer Weist gewesen, hätte der völlig perplexe Bub, den sie auf die Bühne zog, sie ebenso ausgegriffen wie sie ihn. Aber nein, er blieb still, und damit rechnet Weist. Alle sollen herhalten, nur nicht sie, die „Ausziehen!“-Rufe gegen Ende des Sets wurden von ihr ignoriert. Konsequent an der Show war nur, dass Weist öfters nach Schnaps verlangte. Hält die Band ihre eigene Performance nüchtern nicht aus? Was musikalisch dazwischen noch geboten wurde, war dann auch schon wurscht. Die Meinung vom letzten Mal bleibt bestehen: Eine komplett überflüssige Band.
Danach wurde dann zum Glück musikalisch nicht gekleckert, sondern geklotzt. Heaven Shall Burn (Sieger in der Kategorie "Stimmigste Lichtshow") brüllten ihre Aggressionen zu nicht überragendem aber ungemein wirkungsvollem Metalcore heraus. Das Gaspedal auf Anschlag durchgedrückt, stimmten sie auf die noch kommenden Combos ein.
Enter Shikari mussten zwar mit ausgeborgtem Equipment spielen (danke Lufthansa), erlangten dafür aber trotzdem den Sieg in der Kategorie „Publikumskontakt“. Schon bei der ersten Nummer sprang Sänger Roughton Reynolds in die Menge, seine Kollegen taten es ihm später mitsamt Instrument gleich. Dass er dann noch mit Mikrofon die VIP-Tribühne erklommen und oben weiterkraxeln wollte, mit Bier und Schweinchenmütze trotz zu kurzem Kabel weiter die Fans herzte, wird so schnell nicht vergessen werden. Eine grandiose, energiegeladene Show, wie unzählige Crowdsurfer bestätigen können. In Flames mussten danach das Publikum bei Laune halten, schafften das auch mit ihrem Death Metal, der genau das nötige Maß an Melodie hat, um eingängig zu sein. Eine routinierte Show und ein guter Abschluss.
War der zweite Tag der brachialen Gitarrenarbeit gewidmet, kamen am ersten diverse Spielarten des Punk zum Zuge. Me First And The Gimme Gimmes (Sieger der Kategorie „Best angezogene Band“) unterhielten wie gewöhnlich mit Coverversionen im Punk-Stil und überraschten mit einer feschen Mandolinen-Version von Lili Marleen.
Überraschend gut präsentierte sich danach Blink 182-Genosse Tom DeLonge mit seinen Angels And Airwaves. Abseits vom ausgelatschten Pop-Punk zeigte er den Willen zu Keyboard und Gitarre, spielte hymnische Songs und trug dabei nie zu dick auf. Rundum gelungen.
Musikalisch am interessantesten war der Headliner der Herzen: Mike Ness (Sieger der Kategorie „Coole Sau“) und seine Social Distortion zelebrierten ihre Mischung aus Rockabilly und Punk so authentisch wie großartig. Kinder, hurchts zua, wos eich da Onkel auf da Bühne dazöht, der hat genug erlebt, der kennt sich aus. Das Erlebte auf den Körper geschrieben, gewandet wie ein Gangster aus Chicago 1930, macht Ness alle glücklich, die mehr als nur die schnelle Party wollen, ohne diese allerdings zu verweigern. Von der Sorte Musiker sollte es mehr geben. Für die ganz große Party waren zum Abschluss des ersten Tages dann ohnehin Flogging Molly da. Mit der Band macht man nie etwas verkehrt, Stimmung ist beim Folk-Punk garantiert, die Musiker waren gut aufgelegt, das Publikum sowieso, in Kombination ergab das eine feste Sause.
Die Fotos vom Two Days A Week 2012 könnt ihr hinter den nachfolgenden Links finden:
Tag 1
Tag 2
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