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Am 18. Mai 1980 erhängte sich Joy Division Sänger Ian Curtis und löste damit die Band auf. 32 Jahre später, am 18. Mai 2012, stand die Nachfolgeband New Order im Wiener Gasometer auf der Bühne, widmete ihrem ehemaligen Frontmann das erste Stück des Abends (Elegia) und eröffneten damit ein Nostalgiekonzert mit Best Of Set für die zahlreichen 30- bis 40-somethings im Publikum. Weniger war beim ersten Wien-Gig seit vielen Jahren auch nicht zu erwarten. Der letzte Output mit neuen Songs der Band, die mehr Live-Alben und Compilations als reguläre Alben veröffentlichte, datiert aus 2005. Ein neues Album mit übrig gebliebenen Stücken (Lost Sirens) ist geplant, ein Veröffentlichungstermin ist jedoch noch nicht bekannt.
Den Part von Bassisten Peter Hook, der vor einiger Zeit New Order für beendet erklärte, um später von New Order für beendet erklärt zu werden, übernahm Tom Chapman. Der spielte den Bass zwar nicht in Knöchelhöhe, dafür aber ohne Fehl und Tadel. Erfreulicherweise war auch Gillian Gilbert wieder auf der Bühne zu sehen. Die Frau von Schlagzeuger Stephen Morris hatte sich schon lange aus familiären Gründen aus dem Musikgeschäft zurückgezogen und werkte nur noch sporadisch im Studio mit, nun stand sie wieder hinter dem Keyboard.
Dass sich die Setlist eisern an das kürzlich erschienene Live-Album "Live at the London Troxy" hielt, sei nur nebenbei erwähnt, ungut aufgefallen ist es nicht. Denn darauf springen New Order mühelos vom Indie-Rock der frühen 2000er Jahre (Crystals) zum New Wave der 1980er (True Faith), bewegen sich aber überwiegend in ihrer kreativ ergiebigsten Zeit zwischen den Alben Movement und Technique. Auf Platte wie auch live spielen New Order dabei nicht bloß ihre gewöhnlichen, für die Radiotauglichkeit auf 3:30 bis 4:00 Minuten herunter gebrochenen Stücke, sondern sie spielen ihre eigenen Remixe und 12" Singles, dehnen die Songs leicht auf das Doppelte aus, ohne dabei jedoch langweilig zu werden. Dem Alter (das vor allem Frontmann Bernard Sumner anzusehen ist) und dem angestaubtem Image entgeht man damit bravourös.
Ein bisschen grotesk wurde die Show, wenn Sumner hüftsteif tänzelte. Mit Mitte 50 ist man nicht mehr so gelenkig wie mit Mitte 20. Die meiste Zeit stand er aber ohnehin mit Gitarre hinterm Mikro - auf die große Action brauchte nicht gewartet zu werden. Die Lichtshow war allerdings überaus stimmig, der Rest vom Konzert dank der bewährten Hits eine gmahte Wiesn, und als bei True Faith der gesamte Saal mitsang, konnte schon die eine oder andere Freudenträne aus den Augen gedrückt werden. Das sich schwächlich dahinschleppende Blue Monday in der Zugabe wirkte ausgelutscht, es fehlte deutlich an Kraft, das obligatorische, noch aus Joy Division Zeiten stammende Love Will Tear Us Apart hingegen (immer noch einer der besten Songs überhaupt) machte das allerdings wieder vergessen. Zu Ende ging keine Konzert für die Ewigkeit, aber eine sehr gute und unpeinliche Show mit hohem Nostalgiefaktor.
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