|
Alanis Morissette hat Mitte der 1990er mit Jagged Little Pill ein sehr erfolgreiches Album veröffentlicht. Mehr als 32 Millionen mal soll es verkauft worden sein und sichert Frau Morissette bis heute gut besuchte Konzerte. So auch in der ausverkauften Open Air Arena, wo Frau Morissette ihr Publikum über eine Stunde auf ihren Auftritt warten lässt, bis sie ihr demnächst erscheinendes neues Album Havoc And Bright Lights vorstellt. Dass dabei auch alle früheren Hits gereicht werden, versteht sich von selbst.
Frau Morissette präsentiert sich dabei natürlich, ohne ausufernde Allüren und Posen, und so stapft sie wie ein trotziges zehnjähriges Mädchen, das Alanis Morissette imitiert - mal mit Mundharmonika, mal mit Gitarre, mal hinterm Mikrofon stehend, mal rückwärts laufend -, über die Bühne und singt sich durch ihr Œuvre. Ihre Freude über den Applaus nimmt man Frau Morissette sofort ab, sie wirkt bei allem was sie tut und sagt sympathisch. Im Gegensatz zum im Rampenlicht stehenden Star des Abends bleibt die Band durchgehend so professionell wie nebensächlich. Wer im Dunkeln neben Frau Morissette die Instrumente bedient ist egal, Hauptsache er lenkt nicht von Frau Morissette ab und verrichtet Dienst nach Vorschrift. Erst vor Ende des offiziellen Sets, beim wütend ausklingenden Numb, zeigen Band und Frau Morissette, zu was sie fähig sind. Der große Rest ist sanfter Rock. Nur nicht zu viel Kraft, dafür umso mehr Gefühl. Reden wir doch darüber, lass uns das ausdiskutieren. Dem Publikum gefällt das, vor allem den Mädchen. Deren Begleiter stehen und schauen und klatschen auch und manche singen sogar bei Ironic oder You Learn begeistert mit, wischen aber den Eindruck nicht weg, dass viele von ihnen zum Mitkommen verpflichtet wurden. Und während der eine oder andere schon auf die Uhr sieht, freut sich der Großteil des Publikums über eine im Gegensatz zu anderen ihrer Shows erweiterte Setlist mit zwei Zugabeblöcken. Sie ist halt doch eine Nette, die Frau Morissette.
|