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Judas Priest sind immer noch auf ihrer letzten großen Welttournee. Keine weitere in diesem Umfang soll mehr folgen, die jetzigen Shows sind für Fans also die letzten Gelegenheiten, eine der wichtigsten Bands des Heavy Metal noch einmal live zu erleben. Vor fast einem Jahr bespielte die Band, die in den 1970ern gemeinsam mit Artverwandten wie Iron Maiden oder Saxon die New Wave of Britisch Heavy Metal einläutete und dem Genre bis heute wegweisende Impulse gab, die Wiener Stadthalle, nun verabschiedeten sich Rob Halford, Glenn Tipton, Ian Hill, Scott Travis und der als guter Ersatz für den mittlerweile ausgestiegenen K. K. Downing klampfende Richie Faulkner in der nur schwach besuchten Linzer Tips Arena von ihren Fans und überzeugten trotz sichtbarer Alterserscheinungen mit einer Best Of Show.
Für die Stimmung zusätzlich förderlich war, dass das Konzert an einem Samstag stattfand. Denn der Metal-Head trinkt gerne ein Biertschi, noch lieber trinkt er zehn, und wenn das bedeutet, dass er die großartig aufgeigende Vorband Thin Lizzy trotz extremer Lautstärke und permanenter Belästigung von sich um ihn sorgenden Sanitätern einfach verschläft, dann soll das halt so sein. Weil nach dem ersten Riff steht er wieder stramm, ist topfit und hochmotiviert - und damit nicht alleine in der Halle. Denn Judas Priest haben sich in ihrer gut 40 Jahre dauernden Karriere jede Menge ergebene Fans erspielt, die mit der Band entweder groß geworden sind oder durch sie zum Metal bekehrt wurden und die ihre Helden dementsprechend abfeierten.
Dass die Publikums-Grüße von Tipton sympathisch aber routiniert waren, dass die Action nahezu ausschließlich von Faulkner kam, dass sich Halford schon merklich mühselig über die Bühne schleppte und mehr steif als energisch den Schädel schüttelte, ja dass seine Pommesgabel mehr angewidert (mich fäuts an, aber es muss sein) als aggressiv von ihm empor gereckt wurde und er mitunter wie eine Karikatur seiner selbst aussah, all das war spätestens dann vergessen, sobald er seine Stimme einsetze. Gesanglich ist Halford immer noch gut unterwegs, während der gesamten, weit über zwei Stunden dauernden Show gab er sich keine Blöße. Dazu spielte die Band tadellos, würgte einen Klassiker nach dem anderen aus den Gitarren, unterstützt durch Laser-Show und Feuersäulen. Judas Rising, Night Crawler, Turbo Lover, die Liste ist lang, die Freude über die Songs groß. Breaking the Law ließ Halford, der während des Konzerts öfter die Jäckchen wechselte als jede durchschnittliche Pop-Diva und dabei auch nicht vor einer Fransenjacke zurückschreckte, komplett vom Publikum singen, zur Zugabe fuhr er traditionell mit einer Harley auf und mit dem von Travis angesagtem Living after Midnight verabschiedete er sich fulminant von der Bühne. Man sah der Band das Alter an, zu spüren war davon jedoch nichts, und auch wenn der Live-Abschied ein bisschen an Würde vermissen ließ, großartig war das Konzert trotzdem.
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