Liebe Gemeinde, hier sind sie, die Fotos vom ausverkauften Two Days A Week + 1:
Tag 1 (Limp Bizkit, Unheilig, Marky Ramone, Murderdolls, Eisbrecher)
Tag 2 (Blink 182, Simple Plan, All Time Low, Young Guns, Bilderbuch)
Tag 3 (Placebo, Boss Hoss, Jello Biafra, Mother Tongue, Jennifer Rostock)
Du merkst, du bist alt, wenn du dich auf einem ausverkauften Festival befindest und dich fragst, welche Band der Grund für das Sold Out ist. Wir geben es offen zu: Keiner von uns hätte mit einem solchen Andrang gerechnet. Im Wiesenforum gab es im Vorfeld herbe Kritik am Lineup, ebendort später aber auch Unmengen verzweifelter Postings zum Thema „Suche Karte“. Für Feinschmecker und älteres Publikum war kaum eine interessante Band dabei, viele waren schon des Öfteren hierzulande zu sehen, in Summe wurden aber doch genügend spaßige Combos geboten. Vor allem die Bands von Tag 2 mit Blink 182 als Headliner dürften den Ticketverkauf angeschoben haben.
Genau dieser Tag ließ uns jedoch eben auch fragen, warum Karten für ihn so heiß begehrt waren, spielten doch mit All Time Low und Simple Plan zwei ebenso austauschbare wie entbehrliche Pop-Punker auf hoher Position, die mit ihren auf die Hitparade schielenden Belanglosigkeiten trotzdem für eine volle Bude und Massen von Crowd-Surfern sorgten. Musik fürs (sehr) junge Publikum, nicht weiter erwähnenswert.
Davor waren die britischen Alternative-Rocker Young Guns an der Reihe, gefolgt von den Local Heroes 3 Feet Smaller. Letztere zeigten wieder, warum sie zu einer der beliebtesten (und besten) Live-Bands Österreichs gehören. Viele Zuschauer und ein beeindruckender Circle-Pit ums Mischpult herum - so schaut Gute-Laune-Punk aus, das hat seine Berechtigung. Als zweite Band des Tages durfte sich Bilderbuch aus Oberösterreich mit ihrem sehr melodischen, teilweise sogar melancholisch anmutenden Pop-Rock versuchen, der sich (wie auch die restlichen Bands des Tages) etwas zu weichgespült präsentierte. Den für diese Uhrzeit schon sehr zahlreich erschienenen Zuschauern hat es jedoch gefallen. Mission erfüllt.
Die von allen sehnsüchtigst erwarteten Headliner Blink 182 erwiesen sich schließlich als passender Deckel auf den Pop-Punk-Topf. Wenngleich auch der aus San Diego stammende Dreier auf der großen Bühne etwas mager aussah, ließ die Band keine Wünsche offen. Gut gelaunt spielten sich Hoppus, DeLonge und Barker durch ein Best-Of-Set ohne viele Spompanadln, ließen ihren Schlagzeuger zur Zugabe aber doch noch auf einer ausfahrbaren Plattform rotieren und sogar kopfüber trommeln. Guter Gag! Dass sich dann sogar ein paar alte Deppen (inklusive RF.at-Mitarbeiter) zum Crowd-Surfen animieren ließen, soll die gute Stimmung verdeutlichen. Sieger des Abends (danke einer kleinen Menge Bier), ganz knapp vor 3 Feet Smaller.
Deutlich knackiger angelegt war Tag 1. Die sich aus ehemaligen Megaherz-Mitgliedern zusammensetzenden Eisbrecher hatten zu Beginn die Winterjacken an, um die man sie zu späterer Stunde der niedrigen Temperatur wegen beneidete, und spielten im Fahrwasser von Rammstein mit viel Augenzwinkern ihre Hartwurststücke. Die anschließenden Murderdolls rund um Slipknot-Zeugler Joey Jordison und Wednesday 13 (von der gleichnamigen Band) erinnerten zeitweise an 69 Eyes, lieferten aber dank Horror-Makeup die lustigere Show.
Marky Ramone, letzter Schlagzeuger der wunderbaren Ramones, betrieb danach hemmungslose Leichenflederei, machte aber auch deutlich, dass für Punk ein paar Primitiv-Akkorde völlig ausreichen. Dass der eigentlich geplante Sänger Michale Graves (Misfits) kurzfristig durch irgendjemand anderen (weiß der Teufel, wer das war) ersetzt wurde, störte nicht im geringsten, Hauptsache Hey! Ho! Let’s go! Kurz: Eine gute Ramones-Cover-Band.
Unheilig brachten eine aufwändige Dekoration (Kerzen, Schiffsbug) mit, zwischen der der charismatische Frontmann Der Graf beständig hin und her lief und überraschend überzeugend die Masse im Griff hatte. Weiterer Pluspunkt: Bei den Songs war Schlager-Kitsch wie der Nr.1-Hit „Geboren um zu leben“ nur bedingt dabei, die knackigeren Rocker wussten überwiegend zu gefallen. Limp Bizkit Chef Fred Durst zeigte sich danach in guter Form, leger in Jogginghose und Basketball-Shirt und beim Sprung in den Fotograben sogar publikumsnah. Und auch wenn man dem Großmaul außer seinem brühwarm weiter getratschten Pantscherl mit „Jungfrau“ Britney Spears kaum etwas zugute halten kann, live war sein angestaubter Jahrtausendwende-Nu Metal immer noch eine Bank - vor allem dank Masken-Fan Wes Borland.
Tag drei begann recht unerfreulich. Den Goldenen Dodl-Orden am Band für außerordentlich unsympathisches Verhalten verleihen wir an Jennifer Rostock, die mit einer an schlimmste Mia-Anfangstage erinnernden Performance Stimmung zu machen versuchten. Nur während Mia mittlerweile die Kurve zu nettem Schlagerpop hinbekommen haben, bleiben JR mit Peckerl- & Piercing-Fan Jennifer Weist bei nervendem Sirenengesang und kalkulierter Provokation stecken. Wenn dann noch Mädchen auf ihre dicken Dinger angesprochen und aufgefordert werden, diese doch gefälligst herzuzeigen, dabei selbst sexuellaggressiv in knappsten Shorts die Beine gespreizt, im entscheidenden Moment aber doch die Hand vor den Schritt gehalten wird, gibt das zusätzliche Negativpunkte. Eine komplett überflüssige Band.
Mother Tongue nervten anschließend mit Psychedelic Rock, goutiert wurde die schwer verdauliche Kost nur von einem spärlich anwesenden Publikum. Ebenso wenige Fans konnte Jello Biafra vor die Bühne locken, ein Mann, bei dem die Titulierung Punk nicht bloß ein Marketing-Gag ist und der politisch auch nach etlichen Jahren im Geschäft immer noch viel zu sagen hat. Governator Schwarzenegger bekam sein Fett weg, mit Kritik an Bush und dem gesamten rechtskonservativen Gesocks in den USA wurde nicht gespart und auch sonst zeigte sich der Ex-Dead Kennedys Sänger als Mann mit Gesinnung. Hut ab! Ob seine Appelle allerdings tatsächlich Gehör fanden, mag ob der Simple Plan Verseuchung im Publikum bezweifelt werden.
Bei Boss Hoss, der amerikanischen Band aus Berlin, zeigte der Western-Schmäh zwar schon leichte Abnutzungserscheinungen, dank guter Performance mit umfangreichem Equipment rockt die Sache live aber immer noch ordentlich. Yeeeha! Mit Placebo ging das Festival dann schließlich zu Ende. Seit Brian Molko und Stefan Olsdal mit ihrem neuen Drummer Steve Forrest unterwegs sind, gehören die Konzerte, bei denen man gerne eingeschlafen wäre, endlich der Vergangenheit an. Gitarrenrock mit Herz und Hirn, diesmal weniger glamourös, dafür sympathisch, mitreißend und mit dem Nirvana-Cover All Apologies. Großartig. Ein würdiger Abschluss für ein spaßiges Festival. Wir freuen uns schon auf nächstes Jahr.
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